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Geschichte

‘Im staubigen Herzen Kenias’

Im staubigen Herzen Kenias, in einer Region, wo sich selten ein Tourist hin verirrt, liegt Wamba. Eine Stromleitung gibt es nicht. Ebenso wenig eine befestigte Straße. Die Nächte sind hier so dunkel, wie man es in Europa nie erleben würde. Keine einzige Laterne erhellt hier die Nacht.
Das Leben in Wamba schart sich um die Missionskirche und das von ihr geleitete Krankenhaus. Wie so oft in Afrika sind esIMG_8782a-smallzuerst die Kinder, die man in der Siedlung wahrnimmt. Vom Schulhof der Missionskirche kommen dutzende singende, lachende und tanzende Kinder, die schnell ihre Scheu überwinden und die Muzungus (die weißen Besucher) an die Hand nehmen wollen.

In diese staubige Einöde führte uns unsere Exkursionsroute für zwei Tage. Zwei Tage, in denen sich für uns einiges verändern sollte.
Hier bekam der Eindruck mangelnder Perspektive und persönlichen Leids für uns ein Gesicht, eine Geschichte und eine berührende Begegnung. Hier sahen drei junge Menschen ihre letzte Chance einem Teufelskreis aus Armut, Not und Zukunftslosigkeit zu entkommen. Der Wille, sich aus eigener Kraft diesem Strudel zu entziehen, reicht in Wamba nicht aus. Es braucht Unterstützung, die hier keiner zu leisten vermag.

An unserem ersten Abend in Wamba besuchten uns Alice, Teresia und William, drei Freunde aus Wamba, die ein trauriges Schicksal verband. Alle hatten mindestens ein Elternteil durch „die Krankheit“ verloren, die wie ein Damoklesschwert über dem Kontinent hängt. HIV/ Aids ist allgegenwärtig und doch scheint es für viele schwer zu sein, es beim Namen zu nennen (mehr zu dem Thema hier). Wen das Schicksal ereilt, die Eltern durch Aids zu verlieren, der hat nicht nur den Verlust des geliebten Angehörigen zu ertragen, sondern muss mit einem Schlag große Verantwortung übernehmen. Die Familienbande sind stark in Kenia. Ältere Geschwister übernehmen die Verantwortung, wenn es die Eltern nicht mehr können. Verantwortung übernehmen – das klingt für unsere Ohren nach Vorbildfunktion. In einem Land, in dem es für diese Familien keine soziale Absicherung gibt, bedeutet es weit mehr. Hier geht es darum, den Geschwistern ein Überleben zu ermöglichen. Wie aber soll das möglich sein, wenn kein Geld vorhanden ist, man von der Hand in den Mund lebt? Wie soll man hier eine Ausbildung beginnen können, wenn man nicht einmal Geld hat, um das Schulzeugnis aus der nächsten Provinzhauptstadt abzuholen?

IMG_9161a-smallIn genau dieser Situation befinden sich Alice, Teresia und William. Und sie sahen ihre letzte Chance, als eine Gruppe Studenten aus Deutschland in ihre Stadt kam, um Folgen des globalen Wandels für das Leben in Afrika zu untersuchen. Folgen, mit denen genau diese Menschen leben müssen.
So saßen sie nun in unserer Runde und hörten unsere Diskussionen auf einer für sie vollkommen unverständlichen Sprache. Ihre Angst wurde immer größer. Als wir sie nun baten, uns ihr Anliegen vorzutragen war die Angst so groß, dass man kaum noch ein Wort von dem verstehen konnte, was die zitternden Stimmen von sich gaben.
Die Geschichten rührten uns sehr und wir verbrachten die nächste Zeit damit, eine Möglichkeit zu finden, hier helfen zu können. Wir wussten, dass uns nicht viel Zeit bleiben würde, da unser Zeitplan uns bereits am nächsten Tag zur Abreise zwang. Es folgten Stunden der Auseinandersetzung. Wie würden wir helfen können? Wie würde sich sicherstellen lassen, dass die Hilfe auch dauerhaft und zweckdienlich sein könnte? Und zu guter letzt: bringt unsere Hilfe überhaupt etwas?
Viele Argumente wurden vorgebracht und es wurde mit den Stunden nicht leichter, einen Konsens zu finden, der auf alle Fragen eine Antwort liefern könnte. In dieser Situation wandten wir uns an Pater Lucas, den Pfarrer der katholischen Missionskirche. Ein intelligenter und gleichsam feinfühliger und realitätsbewusster Mann, dem das Schicksal der drei bekannt war und der uns in unseren Entscheidungen eine große Hilfe war.

Gemeinsam beschlossen wir also, den dreien zu helfen. Wie soll diese Hilfe nun aussehen? Alle drei hatten große Ziele. Sie verspürten den unhaltbaren Drang, etwas zu erreichen und zeigen zu können, dass sie in der Lage sind, etwas zu leisten, wenn man ihnen nur die Chance dazu gibt!
IMG_8909a-smallAlice‘ größter Wunsch ist es, eine Schule für Sekretärinnen zu besuchen, Teresia möchte Gesundheitserzieherin werden und William will seine handwerklichen Fähigkeiten als Schreinerlehrling unter Beweis stellen. All das kostet Geld. Geld, das die drei nicht haben. Der Traum steht einer gnadenlosen Realität gegenüber. Nach dem Tod ihrer Eltern übernahm ein Onkel die Vormundschaft für Teresia. Da er es sich nicht leisten kann, ihr eine Ausbildung zu finanzieren, will er sie zu einer Heirat zwingen. Eine Vorstellung, die sie verzweifeln lässt. Die Aussichten der beiden anderen sind nicht weniger besorgniserregend.
Wie einen Schatz hüteten die Mädchen daher die Dokumente, die ihnen die Aufnahme an der jeweiligen Schule gewähren würden, wenn sie denn die Schulgebühren begleichen könnten. Williams Wunsch, Schreiner zu werden, so wurde uns vom Pfarrer bestätigt, würde sich ebenso umsetzen lassen. Es braucht Handwerker in Kenia.

Viele Kalkulationen wurden angestellt und schnell wurde klar, dass wir zwar einen Grundstein legen können, aber nicht in der Lage sein werden, die gesamten Kosten tragen zu können. So wurde die Idee des Wamba Education Project geboren, mit dem wir das Schicksal dieser drei jungen Menschen nach Deutschland tragen wollen, um hier Menschen die Möglichkeit zu geben, Anteil zu nehmen und zu helfen. Zu helfen, Menschen eine Zukunft zu geben, die ohne Hilfe von außen nicht in der Lage wären, für sich und ihre Familie zu sorgen.

Um zu gewährleisten, dass das Spendengeld seinem zugedachten Zweck zukommt, ist Pater Lucas als Treuhänder eingesetzt, der die Schulgebühren begleicht und die Leitungsnachweise einfordert. Wir stehen in regen Kontakt mit ihm und unseren drei Schützlingen, die mittlerweile alle ihre Ausbildung aufgenommen haben.
Glauben Sie uns, wenn wir sagen, dass es nichts Schöneres für uns gab, als den vor Freude weinenden Jugendlichen mitzuteilen, dass sie nun mit aller Kraft daran arbeiten können, ihren Traum von einem selbstständigen Leben wahr werden zu lassen.

Seien Sie Teil dieser Idee und unterstützen Sie uns! Geben Sie Hilfe zur Selbsthilfe. Wir garantieren, dass 100% Ihrer Spende dem Projekt zugute kommt.

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